Der Industrial Style ist eine Hommage an die Vergangenheit und die Überbleibsel der industriellen Revolution, die unsere Wohnkultur nachhaltig beeinflusste. Dieser Stil ist geprägt von minimalistischen Einrichtungselementen, offenen Räumen und viel Licht – all das lässt sich auch in den eigenen vier Wänden umsetzen und verleiht ihnen einen zeitlosen, modernen Loft-Charakter.

Die Geschichte des Industrial Style
Der Industrial Style, auch als Loft-Stil bekannt, entstand in den späten 1950er Jahren in den USA. Die wirtschaftliche Expansion und das rasante Wachstum der Industrie hinterließen zahlreiche verlassene Fabrikhallen und Lagerhäuser, oft zentral in den Metropolen gelegen. Diese Gebäude zogen besonders junge Künstler an, die große, offene Räume für ihre kreativen Projekte suchten. Anfangs wurden die Gebäude oft illegal genutzt, bis die Eigentümer das Potenzial der Nachfrage erkannten und diese Räume zunehmend für Wohnzwecke öffneten.
In den 1990er Jahren fand der Industrial Style auch in Europa Anklang, als nach der Umstrukturierung vieler industrieller Anlagen brachliegende Gebäude entdeckt und von Immobilienentwicklern zu Loftwohnungen umgestaltet wurden. Diese neuen Wohnräume blieben in ihrem industriellen, unpolierten Charme erhalten, und der Industrial Style gewann in vielen Ländern an Popularität.
Merkmale des Industrial Style
Der Industrial Style ist untrennbar mit Lofts und Apartments in ehemaligen Industriegebäuden verbunden, kann aber auch in modernen Wohnungen und Häusern integriert werden. Bevor man sich an die Umsetzung macht, lohnt es sich, die typischen Merkmale dieses Stils zu kennen:
Große, offene Räume
Ein Kennzeichen des Industrial Style ist die großzügige Raumgestaltung. Loftwohnungen zeichnen sich durch hohe Decken und offene Grundrisse aus, die oft mehrere Hundert Quadratmeter umfassen. Die Räume sind kaum durch Wände getrennt, mit Ausnahme von Bad und eventuell Schlafzimmer, um die Privatsphäre zu wahren. Der Rest bleibt offen, um ein Gefühl von Weite und Leichtigkeit zu schaffen, unterstützt durch das zweite wichtige Merkmal – das Licht.
Viel natürliches Licht
Ein typisches Element industrieller Gebäude sind große Fenster, die viel Tageslicht hereinlassen. Im Industrial Style bleiben diese Fenster oft unverhüllt, ohne Vorhänge oder Gardinen, um den Raum möglichst hell und offen wirken zu lassen. Für den Sichtschutz werden stattdessen Jalousien oder Rollos verwendet, die sich gut in den Stil integrieren lassen. Abends sorgen stimmungsvolle Leuchten im industriellen Stil für angenehmes Licht. Die Beleuchtung umfasst oft hängende Lampen mit Metall- oder Milchglas-Schirmen, die in Bereichen wie dem Ess- oder Küchenbereich installiert werden, sowie Stehlampen mit freiliegenden Glühbirnen und robusten Holz-Metall-Konstruktionen.
Passende Farbgestaltung
Der Industrial Style greift auf Farben zurück, die an alte Fabrikhallen erinnern. Grundfarben wie Weiß, Grau und Beige dominieren die Farbpalette, und falls eine Ziegelwand vorhanden ist, bleibt diese oft in ihrem natürlichen Rotton. Warme und lebhafte Farben werden eher sparsam verwendet und können durch dekorative Elemente wie farbige Kissen oder Teppiche hinzugefügt werden. Auch der Bodenbelag spiegelt die minimalistische Farbgebung wider – häufig aus naturbelassenem Holz oder poliertem Beton.
Raue, natürliche Materialien
Der Industrial Style bevorzugt Materialien wie Beton, Ziegel und Holz, die in ihrer ursprünglichen Form erhalten bleiben. Wände aus Ziegel oder Beton bleiben unversiegelt, und auch abgehängte Decken oder Trennwände sind selten. Dieser Stil ermöglicht zudem die Verwendung recycelter Materialien, die sich perfekt in das Ambiente industrieller Räume einfügen. Auch Möbel werden aus natürlichen Stoffen gefertigt, wie Baumwolle, Leinen oder Leder, wobei letzteres zunehmend durch ökologische Alternativen ersetzt wird.
Offene Rohre und Leitungen
In industriellen Räumen ist es üblich, Rohrleitungen und Stromkabel offen zu lassen. Dies mag zunächst ungewöhnlich erscheinen, doch es verstärkt das charakteristische Flair und kann auch kosteneffizienter sein, da keine aufwendigen Verkleidungen nötig sind. Zudem lässt sich dieses Merkmal dekorativ einsetzen, indem Rohre passend zur Raumfarbe gestrichen werden.
Möbel und dekorative Akzente
Einrichtung und Dekoration im Industrial Style sollten in einer harmonischen Komposition miteinander verschmelzen. Möbel aus Holz und Metall, kombiniert mit Glas, bringen die Essenz des Stils zur Geltung. Schlichte und funktionale Möbel wie skandinavische Sofas, Schränke und Tische passen besonders gut in das industrielle Ambiente, da sie in ihrer minimalistischen Form die robuste Ästhetik ergänzen.
Möbel werden oft scheinbar zufällig platziert, ohne großen Wert auf Symmetrie, aber dennoch funktional – mit klar abgegrenzten Bereichen zum Arbeiten, Essen und Entspannen. Farbige Elemente wie Teppiche oder bunte Kissen lockern das Ambiente etwas auf und verleihen dem Raum eine persönliche Note. Kunstwerke wie Aquarelle oder historische Fotografien der industriellen Vergangenheit können ebenfalls interessante Akzente setzen und der Wohnung eine individuelle Geschichte verleihen.


